Ein Wochenrückblick des Science Media Center, über welche Forschungsergebnisse viele Wissenschaftsjournalisten zeitnah berichten:

Die Vorhersage der Auswahl von Themen seitens der Journalisten gleicht dem täglichen Blick in die Glaskugel. Haben Journalisten das entsprechende Fachjournal auf dem Schirm? Werden sie das Thema aufgreifen und berichten? Wenn ja: mit welchem Dreh? Wenn nein: Kann es sein, dass wichtige entscheidungsrelevante Forschungsergebnisse, über die berichtet werden sollte, übersehen werden? Im Science Media Newsreel dokumentiert das Team des SMC einmal pro Woche rückblickend die kongruenten Wissenschaftsthemen, die aus namentlich genannten Fachzeitschriften in Presseerzeugnissen und Internetangeboten aufgegriffen wurden. Erwähnt werden nur solche Themen, die bei unserem zugegeben unvollständigen Monitoring in mehr als fünf unterschiedlichen Redaktionen mit textlich nicht identischen Berichten aufgegriffen wurden.

Deutlich mehr Mikroplastik im arktischen Eis (Nature Communications)

Im arktischen Eis sind deutlich größere Mengen Mikroplastik eingeschlossen, als bislang nachgewiesen werden konnte. Nach neuesten Forschungen, die am 24.04.2018 im Fachblatt Nature Communications veröffentlicht wurden, finden sich bis zu 12.000 Partikel Mikroplastik in einem Liter Eis. Dies kann mit verbesserten Methoden, die noch kleinere Partikel identifizieren können, gezeigt werden. Auch die Zusammensetzung des Plastiks lässt sich dabei ermitteln. Hierdurch sind Rückschlüsse auf dessen Herkunft möglich. Das Plastik stammt zu Teilen aus Plastikabfällen, die etwa aus dem ‚Great Pacific Garbage Patch‘ – einem großen Plastikstrudel im Pazifik – stammen und anscheinend bis in die Arktis treiben. Zusätzlich gelangt Plastik direkt aus Quellen in der Arktis ins Meer – insbesondere durch Fischerei und Schifffahrt. Treiben die arktischen Eisschollen in wärmere Gewässer, schmelzen sie und setzen das Plastik wieder frei. Die deshalb erwarteten höheren Konzentrationen in Schmelzgebieten, etwa im Osten Grönlands, konnten die Forscher ebenfalls nachweisen. Über direkte Risiken für die Umwelt, die sich aus der Verbreitung von Mikroplastik ergeben, sagt die Studie allerdings nicht neues.

 

Die Studie findet sehr weite Verbreitung und wird von mindestens 28 deutschsprachigen Medien diskutiert. Die Berichterstattung verweist einhellig darauf, dass noch nie zuvor so viele Partikel Mikroplastik im arktischen Eis gefunden wurden. Ebenfalls konsonant berichtet werden die Vermutungen über die Herkunft des Plastiks aus Quellen innerhalb und außerhalb der Arktis. Bezüglich der Umweltrisiken, die mit Mikroplastik einhergehen gibt es leichte Unterschiede. Einige Medien, wie etwa die FAZ, verweisen darauf, dass die Auswirkungen noch nicht hinreichend untersucht sind. Andere, wie Spiegel Online, fügen dem hinzu, dass Studien immerhin Entzündungsreaktionen bei Muscheln und Verhaltensänderungen bei Fischen durch Mikroplastik gefunden haben. Als Experten werden ausnahmslos an der Studie beteiligte Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts zitiert.

 

Steckbrief

  • Journal: Nature Communications
  • Pressemitteilungen: Ja

Aufgegriffen von:

  • Tagesschau.de (24.04.2018)
  • Spiegel Online (24.04.2018)
  • Zeit Online (24.04.2018)
  • SZ.de (24.04.2018)
  • NZZ.ch (24.04.2018)
  • Zdf.de (24.04.2018)
  • FAZ.de (24.04.2018)
  • DW.com (24.04.2018)
  • Deutschlandfunk Nova (24.04.2018)
  • Tagesschau.de (24.04.2018)
  • Wiener Zeitung (24.04.2018)
  • Zeit Online (24.04.2018)
  • Hannoversche Allgemeine (24.04.2018)
  • Berliner Zeitung (24.04.2018)
  • NTV.de (24.04.2018)
  • Science.orf.at (24.04.2018)
  • MDR.de (24.04.2018)
  • focus.de (24.04.2018)
  • Augsburger Allgemeine (24.04.2018)
  • Spektrum.de (25.04.2018)
  • Stern.de (25.04.2018)
  • Hamburger Abendblatt (25.04.2018)
  • Der Standard (25.04.2018)
  • Berliner Morgenpost (25.04.2018)
  • Bild.de (25.04.2018)
  • Taz.de (25.04.2018)
  • Bonner Generalanzeiger (28.04.2018)
  • Frankfurter Rundschau (28.04.2018)